Blick in Dansenbergs OGV-Geschichte

Gärtnerwissen aus dem Laptop reicht nicht

 Anlässlich des 125. Jubiläums des OGV-Kaiserslautern-Dansenberg e.V. gab der Verein am 27. August 2022 einen Empfang im Katholischen Pfarrheim. Vorsitzende Uta Mayr-Falkenberg freute sich über zahlreiche Gäste, unter ihnen auch  Oberbürgermeister Dr. Klaus Weichel, selbst OGV-Mitglied, und  die Stellvertretende Ortsvorsteherin Ute Reeb. Anwesend waren auch Vertreter der Vereine (Vereinsring), für die Julian Beckmann von der Feuerwehr Grußworte sprach, ebenso Bernd Benkel für den MGV. Es kamen auch Boris Flesch, SPD, und Barbara Busch, CDU. Gottes Segen wünschte Pfarrerin Jennifer Hoppstädter.

Biererst war der „Empfang“ anlässlich des 125jährigen Bestehens des Ost- und Gartenbauvereins Kaiseslautern-Dansenberg e.V. auf dem Platz des Pfarrzenrum nicht. Vorsitzende Uta Mayr-Falkenberg sorgte immer wieder dafür, dass die Gäste etwas zum Lachen hatten. Das Foto zeigt Oberbürgermeister Dr. Klaus Weichel, selbst Mitglied im OGV Kaiserslautern-Dansenberg, mit Ehefrau, Gerd Braun, dahinter (halb verdeckt) Dieter Jung und Günther Soffel vom OGV Schopp, Foto: Marita Schneider

Anbei die Rede im Wortlaut:

 Der Obstbauverein Dansenberg wurde am 1. Oktober 1897 von 27 Dansenberger Männern in der Stübig´schen Wirtschaft, später Landgasthaus Woll, gegründet. So steht es in der OGV-Chronik „Vom Holzfällerdorf zum Stadtteil…“, die anlässlich des 100jährigen Vereinsjubiläums von dem damaligen Vorsitzenden Klaus Gundacker – inzwischen 50 Jahre im Verein – liebevoll zusammengestellt und von mir gestaltet worden ist.

Es waren ausschließlich Männer, die sich seinerzeit die Förderung des lokalen Obstanbaus aufs Panier geschrieben hatten. Frauen spielten damals bei solchen Unternehmungen keine Rolle. Die durften zuhause Marmelade kochen oder Einmachgläser füllen. Das Wahlrecht für Frauen wurde erst 1918 eingeführt und wiederum erst im Mai 1949 im Grundgesetz verankert. Die Dansenbergerinnen, deren Männer oft in den Industriebetrieben der „weit entfernten“ und vor allem nur per Fuß erreichbaren Stadt ein bescheidenes Auskommen fanden, betreuten auch die Hühner, deren Göckel des morgens eifrig krähten. Heute nennt man so etwas Ruhestörung und manche Neuzeitler würden gerne auch das Gackern der Hennen tagsüber verbieten…

 

In Dansenberg herrscht wie eh und je des nachts Stille. Es kräht kein Hahn. Das heißt aber nicht, dass kein Hahn nach Dansenberg kräht. Ganz im Gegenteil! Dansenberg ist der beliebteste Ortsteil Kaiserslauterns und dies hat sich in den letzten Jahren kräftig bemerkbar gemacht. Viele Einwohner, viele Autos, viele Neubauten im Bauhausstil, von einigen Einwohnern als Kasernen bezeichnet.

Wir, der OGV Kaiserslautern-Dansenberg haben trotz des Generationenwechsels eine konstante Anzahl von rund 500 Mitgliedern halten können. Generationenwechsel bedeutet, dass wir auch von vielen Menschen Abschied nehmen mussten, die mit an dem Vereinsgebäude gebaut haben. Als Zeichen des Gedankens an unsere Verstorbenen möchte ich die Silberne Ehrennadel für 25jährige Mitgliedschaft von Stephanie Michel an ihren Vater Otto Koch überreichen. Frau Michel konnte die Überreichung der Nadel nicht erleben. Wir übergeben sie nunmehr zur Erinnerung an ihren Vater. Er hat sich das so sehr gewünscht.

Einen Festakt am Abend gab es im Katholischen Pfarrheim. Ehrengast war Volker Kusel, Direktor der Schlossgärten Ludwigsburg und bekannt durch Gartensendungen im Fernsehen.  Er sprach zum hochaktuellen Thema „Klimawandel – Auswirkungen im Garten“.  Als Erinnerung an DAnsenberg überreichte die Vorsitzende Uta Mayr-Falkenberg ein Jubiläumskochbuch und eine Flasche Dansenberger Turmhahnwein.

Anders als in Nachbarvereinen leiden wir nicht unter Helfermangel. Viele Mitglieder stehen uns je nach ihren Fähigkeiten gerne zur Verfügung und glücklicherweise haben wir eben auch keinen nennenswerten Mitgliederschwund. Hier möchte ich als stellvertretende Helfer die Familie Harth, aber auch Günther Heinzmann nennen, der immer ansprechbar ist, auch wenn sein Herz für den FCK schlägt. Erwähnen möchte ich hier aber auch Marita Schneider, die assistiert von ihrem Mann, für unsere Dekoration verantwortlich ist und als Fotografenmeisterin  viele unserer Ereignisse im Bild festgehalten hat sowie Steffi Koch von Getränke Koch, die dafür sorgt, dass wir nicht verdursten. Christian Weis und Helmut Caesar kümmern sich heute Abend um die Lautsprecheranlage und Christine Glaser brachte Dekoration. Wilma Daller wird für den Ausschank am heutigen Festabend sorgen und ebenfalls ein Mitglied, nämlich Alfons Fröhlich, vom Hotel-Restaurant wird uns bewirten.

Mitglieder fallen nicht vom Himmel. Man muss ihnen etwas bieten. Man muss sie umwerben. Lästerliche Zungen behaupten in diesem Zusammenhang, ich würde mit Aufnahme-formularen an den Serpentinen stehen und keiner dürfe hochfahren, bevor er nicht eine Beitrittserklärung unterschrieben hat.

In den letzten Jahrzehnten sind die meisten großen Gärten des Ortsteils auf der Strecke geblieben, sind Bauland geworden. Und Dansenbergs beliebtestes Obst, die Kirschen, sind weitgehend verschwunden. Große Kirschbäume findet man außer in der Obstwiese des OGV nur mehr wenige in Dansenberg.

Dabei spielten Kirschen von Anbeginn des OGV Dansenberg neben den Äpfeln eine große Rolle. Obstanbau war damals 1897 trendy. Das Wort gab es zwar noch nicht, aber auf den Anbauflächen, den Wiesen und in den großen Gärten des kleinen Dörfchens Dansenberg pflanzte man viele Obst- insbesondere Kirschbäume. Es gab eine Kirschbaumkasse und schließlich eine Kirschbaumallee im oberen Teil der Hauptstraße, die damals Triftstraße hieß. Gespeist aus sonntäglichen Kartenspielen (der Männer) reichte das Geld der Kirschbaumkasse schließlich für 40 Alleebäumchen und für weitere 52 für die Mitglieder.

Ja – damals gingen die Männer am Sonntag nach der Kirche zum „Karten“ in die Wirtschaft“, während sich die Frauen den Kittelschurz anzogen und den Sonntagsbraten bereiteten. Alles hatte so seine Ordnung und bis 1919 wurden insgesamt 1594 Bäumchen gepflanzt. Zur Anpflanzung gehörten 1906 auch Lindenbäume auf dem alten Friedhof, die heute teilweise noch existieren. Die Kirschbäume wurden zum Abernten versteigert und nicht selten waren ihre Früchte auch begehrtes Objekt der Dorfjugend, daher der Name „Kerscheknabber.“

In Not- und Kriegszeiten wurde außerdem die Armenkasse der Gemeinde mit Erlösen aus dem Kirschenverkauf unterstützt. Schließlich musste die Allee dem Fortschritt weichen. Davor aber gab es noch eine Diskussion wie aus einem Protokoll von 1910 hervorgeht. „Weiteres wurde beschlossen, dass die Kirschbaumallee in der Trift vorerst nicht der Gemeinde übergeben wird, erst wenn der Erlös aus den Kirschen die Unterhaltungskosten von den Bäumen übersteigt, soll die Gemeinde in den Genuss der Pflanzung kommen“…

Heute haben wir in Dansenberg noch einen „Kerscheknabberweg“, der weitgehend barrierefrei rund um den Stadtteil führt. Er entstand nicht zuletzt durch den Einsatz des OGV, der SPD, des Forstes und des Ortsvorstehers. In den letzten Jahren wurde er etwas vernachlässigt und viele der am Rand gepflanzten Wildkirschen sind verschwunden. Es wäre zu wünschen, dass wir hier alle gemeinsam einen neuen Anlauf nehmen und den Pfad sanieren.

Aus den alten Zeiten gibt es weiterhin zu berichten, dass der Vereinsbeitrag vierteljährlich 30 Pfennige betrug, der vom  Cassier erhoben wurde. Und der Gemeindediener erhielt für das Austragen von Mitteilungen je Einsatz 20 Pfennige. Heute heißt unser „Gemeindediener“ E-Mail und inzwischen sind fast 400 Mitglieder diesem Nachrichtendienst angeschlossen. Nicht zuletzt durch Corona hat diese Kommunikationsform enorm an Bedeutung gewonnen und ist inzwischen zu einem Rückgrat des Vereins geworden. Hier spielt die Informationsmusik und wir können nur bedauern, dass einige von dieser Einrichtung leider immer noch keinen Gebrauch machen. Darüber hinaus berichten wir in Wort und Bild auf unserer Internetseite vom Vereinsgeschehen und schließlich gibt es noch den OGV-Kurier, der halbjährlich zusammenfasst, was beim OGV Kaiserslautern-Dansenberg heutzutage geschieht.

Aber gehen wir wieder zurück in die Zeit, in der es diese Kommunikationsformen nicht gab und auch das Telefon noch sehr exotisch war, geschweige denn das Auto. 1897 war der deutsch-französische Krieg von 1870/71 längst vorbei, das 20. Jahrhundert in Sicht. Ob die Gründungsväter wohl ahnten, dass die folgenden Jahrzehnte Hunger und Tod und große Umwälzungen bringen werden? Aber zuerst einmal ging es mit dem Obstbauverein Dansenberg aufwärts. Es wurden unter anderem zum  kostenlosen Gebrauch zwei Kupferne Kessel zum Latwergekochen, Baumspritzen und ein Einweckapparat angeschafft. Und aus einer Spende des Verschönerungsvereins Kaiserslautern von 6 Mark wurde Johannes Böttners „Praktisches Lehrbuch des Obstbaues“ angeschafft.

1921 wurde die Jagd auf Raben und Spatzen erwähnt. Für jeden toten Spatz gab es schließlich 3 Mark. Und auch heute noch findet man, sehr zum Missfallen der Naturschützer, Vorschläge zum Spatzenvertreiben und Spatzenvergiften.

Und 1924 stritten sich die Hell- und Dunkelpartei um die ­­Einführung des elektrischen Stroms. Die Dunkelparteiler wussten damals nichts von Lichtverschmutzung und auch nichts von der Energiekrise, die uns künftig möglicherweise in der Kernnacht, wenn in Dansenberg der Bär ohnehin nicht steppt,  dunkle Straßen beschert.

1936 änderte sich der Name des Vereins im Zuge der Gleichschaltung von Partei und Staat in Gartenbauverein Dansenberg und 2021 votierten die Mitglieder für die Namenserweiterung Obst- und Gartenbauverein Kaiserslautern-Dansenberg, denn der Stadtteil Dansenberg hatte längst viele Mitglieder aus dem gesamten Stadtbereich.

Die Wende vom Dorf zum Stadtteil geschah 1970 mit der Gebietsreform und fiel zusammen mit der Gründung der TU am Fuß des Ortes. Mit einem Schlag war aus dem „Dorf“ weitab der Kernstadt, ein bis heute begehrter Wohnort geworden. Uniprofessor*innen, Leitende Angestellte, Freiberufler, Ärzte und Ärztinnen findet man heute in der Mitgliederliste des OGV. Die Männer karten in ihrer Freizeit nicht mehr. Sie suchen den Ausgleich von sitzender Tätigkeit beim Joggen in dem den Dansenbergern so sehr am Herzen liegenden Wald oder mähen ihr kleines Stückchen Rasen mit einem überdimensionierten Rasenmäher. Und die berufstätigen Frauen kochen schnelle Marmelade im Thermomix oder pflegen ihr Hochbeet. Und bei dieser neuesten Gartenmasche wird nicht selten die Erfahrung gemacht, dass sich die Theorie aus dem Internet von der Praxis mitunter sehr unterscheidet.

Gärtnerwissen aus dem Laptop ist leicht zugänglich, aber erfolgreiches Gärtnern auf großen oder kleinen Flächen ist gestern wie heute von praktischem Können abhängig. Der OGV versucht dies auf die eine oder andere Weise zu vermitteln. Nie war der Bedarf an Fachwissen größer als in der noch immer andauernden Corona Zeit seit sich plötzlich viele auf die Hortikultur besinnen. Schriftliche und mündliche Beratungen durch unsere Spezialisten, Baum-, Strauch und Rosenschnitt sind gefragt. Kita- und Grundschulkinder werden in die Obstwiese eingeladen und erfahren, dass Äpfel an Bäumen aber nicht beim Discounter im Regal wachsen. Beim Tag der offenen Gartentür in unserem Bereich 18 Gärten waren es in diesem Jahr) kommen Hunderte von Wissbegierigen. Exkursionen mit sachkundigen Führungen, die Zusammenarbeit mit Forst, Pollichia und NABU, die alljährliche Pflanzenbörse und der Beratertag sind Angebote, die wir unseren Mitgliedern machen. Die Hilfe untereinander wird groß geschrieben.

Und wie geht es weiter:

Klimawandel, Trockenheit, Wassernot und Insektensterben! Wie gehen wir in Zukunft mit unserer Natur um? Der OGV Kaiserslautern-Dansenberg wird sich diesen Themen stellen und Überzeugungsarbeit leisten, wenn es um die Verabschiedung von englischem Rasen, dem mit Trinkwasser gespeisten Gartenteich, den feuchtigkeitsliebenden Pflanzen oder die Erhaltung eines Wespennestes geht. Werden wir Olivenbäume oder Palmen in der Obstwiese pflanzen? Werden wir in unseren Wäldern Kermeseichen pflanzen und werden unsere Wiesen zu Macchien werden?

Alles ist im Wandel

Ein Beispiel dafür ist unsere Festschrift, eine Art Tätigkeitsbericht in Form eines bunten Kochbuchs, das man für 12,- € erwerben kann. Ich danke in diesem Zusammenhang allen Mitgliedern und Freunden des OGV, die uns nicht nur Rezepte, sondern auch kleine unterhaltsame Geschichten zum Verfügung gestellt haben. Beispielhaft seien hier unsere Mitglieder, die Wollenwebers genannt. Ich danke aber auch der Villa Winzig und der Grundschule, die Kinderzeichnungen lieferten, die man als großartige Bebilderung bezeichnen darf. Nicht zuletzt gilt der Dank den Anzeigenkunden. Sie tragen mit dazu bei, dass die durch die Materialverteuerung gestiegenen Kosten ein wenig gemildert werden konnten.

Wie schon gesagt: Alles ist im Wandel! Und ganz bestimmt hätten es sich die Gründerväter nicht träumen lassen, dass nach über 100 Jahren der heutige Obst- und Gartenbauverein Kaiserslautern-Dansenberg von Frauen geführt wird. In diesem Zusammenhang darf ich ganz besonders unserer 2. Vorsitzen Beatrix Jung und Katrin Brügger danken, die für die ganze Logistik verantwortlich sind.

Zu guter Letzt darf ich noch für 25jährige  Mitgliedschaft  die Silberne Nadel an 5 Mitglieder überreichen:

Theo Augstein, Hans Dellmuth, Heiner Leis, Harald Münch, Achim Schmitt

Ich danke Ihnen, dass Sie dem Verein so lange die Treue gehalten haben.

Und Ihnen allen danke ich fürs Zuhören.

Uta Mayr-Falkenberg, Vorsitzende